Sonntag, 06.07.2008
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Dynafit - Projekt Se7en Summits

 
 
Die "Seven Summits" sind Bergsteigern ohne Zweifel ein Begriff und ihre Besteigung zugleich der Traum vieler. Der höchste Berg jedes Kontinents, von der klirrenden Kälte der Antarktis bis zum heißen Sand in Australien und den Savannen Afrikas...
Nur etwa 140 Personen haben sich diesen Traum seit 1985 verwirklicht. Olof Sundström und Martin Letzter gingen noch einen Schritt weiter. Sie wollten die ersten sein, die die Seven Summits erklimmen und dann mit Ski befahren.

"Wir hatten uns viel vorgenommen. Noch nie zuvor wurde der höchste Berg eines jeden Kontinents bestiegen und mit Ski befahren. Unsere Strategie dabei ist der "Eco-Alpine-Style". Das bedeutet für uns: nur mit den Basics, ohne Führer, große Camps oder Service Teams, die am Abend kochen. Wir wollen bei unserem Projekt eins sein mit der Natur und nicht gegen sie kämpfen, wir wollen die Berge besuchen und sie nicht besiegen. Wir verlassen uns dabei nur auf unsere eingeschränkte Ausrüstung und unsere eigenen Fähigkeiten, Probleme zu lösen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
Das Projekt Seven Summits (Se7en Summits) begann 2003, als Olof Sundström und ich (Martin Letzter) zum Denali (6193) in Alaska reisten, um den höchsten Berg in Nordamerika mit unseren Ski zu befahren. Die Amerikaner nennen den Denali auch den kältesten Berg der Erde, obwohl wir bei anderen Aufstiegen im Winter schon mit kälteren Bedingungen zu kämpfen hatten. Vom Base Camp auf dem Kahiltna Gletscher in 2200 Metern Höhe, zu dem man in kleinen Propellermaschinen geflogen wird, sind es noch 4000 Meter zum Gipfel. Die ersten 2000 Meter führen über den Kahiltna Gletscher zum ABC (= Advanced Base Camp). Der Weg dorthin war umso beschwerlicher, weil wir Schlitten mit der kompletten Ausrüstung hinter uns her zogen, um diese ins ABC auf 4300 Metern zu bringen. Für diesen Teil der Expedition haben wir jeder ca 60 kg mitgenommen, 20 Kilo im Rucksack und 40 Kilo im Schlitten. Nach dem ABC schnallten wir die Ski ab und montierten gleich die Steigeisen, denn es ging über einen Grat, der ins Zentrum des Denali Massivs führt, weiter in Richtung Gipfel. Am 19 Juli 2003 erreichten wir den höchsten Punkt in Nordamerika. Die Abfahrt führte uns bis unter 5000 m weitgehend über harten Schnee. Dort wurde er dann weicher und sogar Pulverschnee. Noch weiter unten schmolz der Schnee und wurde eisig oder matschig, je nach Tageszeit.

Der Aconcagua (6962m), der höchste Berg in den Südamerikanischen Anden war der nächste Berg auf unserer Liste. Kurz vor Sylvester 2003/2004 machten wir uns auf den Weg nach Santiago de Chile, um den Berg zu besteigen - Hochsommer in Südamerika. Von dort aus überquerten wir die Anden nach Argentinien im Auto. Dort angekommen, führte uns der Weg auf Maultieren, die auch unsere Ausrüstung trugen, in Richtung Berg. Dann weiter vom Base Camp auf 4200 Metern, über ein Middlecamp auf 5200 Metern, bis wir schließlich das Höhenlager am Fuße des Gletschers in 6000 erreichten. Die letzten 1000 Meter kletterten wir den Gletscher mit bis zu 55 Grad Steigung hinauf, um uns schon mal mit ihm vertraut zu machen und auf die Skiabfahrt vorzubereiten. Während des Aufstiegs schneite es sehr stark, was uns sehr schönen Pulverschnee für die Abfahrt bescherte, genauso aber Lawinengefahr barg. Wir erreichten den Gipfel schließlich am 14. Januar 2004, nach einem 15 Stunden Aufstieg durch teilweise hüfthohen Schnee.
Olof hatte schon im Winter 2003, noch bevor wir gemeinsam zum Denali aufbrachen, mit drei Freunden den höchsten Berg Europas befahren, den Mt. Elbrus im russischen Kaukasus. Im Winter 2005 machte auch ich mich auf den Weg. Die Temperaturen lagen bei um die um die -55 Grad Celsius und ich war bereits 2 Wochen auf dem Berg und hatte aufgrund des schlechten Wetters schon 2 erfolglose Versuche hinter mir. Ich erreichte den Gipfel des 5642 Meter hohen Berges am 26. März 2005. Auf dem Weg vom Gipfel zum Sattel, der auf 5200 Metern lag, musste ich teilweise über Abschnitte mit steinhartem Eis fahren, von da an folgte noch mehr Eis bis ungefähr 4200 Meter Höhe. Dann langsam verbesserten sich die Schneebedingungen, bis ich schließlich im Pulverschnee bis zum Fuße des Berges auf 2300 m noch eine wunderschöne Abfahrt genießen konnte.

Im Juli 2005 setzten wir unser Vorhaben mit dem höchsten Berg in Australien, dem Mt. Kosciuszko, fort. Schon der Weg dorthin war ein Abenteuer. Er begann damit, dass wir in einem 8,5 Meter langen Boot die halbe Welt umsegelten, vom Süden Schwedens nach Darwin in Australien (wir überquerten dabei den Atlantik, den Panama Kanal und den Pazifik). Dann folgten über 5000 km im Auto, bis wir schließlich im Kosciuszko National Park ankamen. Am 7. Juli erreichten wir auf Ski den Gipfel und fuhren unter guten Bedingungen, mitten im australischen Winter, über Schnee, Steine, und Gras ab, bis wir im Tal des Berges auf 1200 Metern wieder ankamen. Damit konnten wir den nächsten Kontinent hinter uns lassen und uns auf die nächste Herausforderung vorbereiten.

Noch im selben Jahr, am 2. September 2005, befuhren wir den Kilimanjaro über das südliche Eisfeld und den 45 Grad steilen Kersten Gletscher. Die Bedingungen waren leider mehr als schlecht. Wie hatten mit unebenem und rissigem Eis zu kämpfen, das vom Gipfel ca 500 Höhenmeter nach unten bis zu einer Kante führte, an der der Gletscher vor einigen Jahren wegbrach und den 500m hohen Südhang herunterstürzte.

Den vorletzten Berg unseres Projektes, den Mt. Everest, bestiegen wir über den Nordgrat im Tibet im Frühling 2006. Die Reise dorthin führte uns mit unserem 13 Jahre alten Land Rover Defender 12.000 km überland, durch Finnland, Russland, Lettland, Litauen, Polen, Slovenien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Iran, Pakistan, Indien und Nepal. Die Expedition dauerte 4 Monate, 55 Tage Besteigung eingeschlossen. Am 16. Mai erreichten wir mit unseren Dynafit SR 8.0 Ski schließlich den Gipfel. Die Abfahrt hatte es in sich. Mal harter Schnee, Stein, mal mussten wir uns 25 m abseilen. Der Schnee wurde erst ab 7600 m besser und blieb es auch bis zum ABC auf 6400m. Diese Abfahrt machte Olof zum ersten Mann in der Geschichte, der vom Gipfel mit Telemark abgefahren ist und uns beide zu den jüngsten Schweden, die den Everest jemals bestiegen haben. Außerdem sind wir jetzt die ersten Schweden überhaupt, die den Berg mit Ski befahren haben.

Der 7. und letzte Gipfel des Projektes "Se7en Summits" war der Mt. Vinson mit 4897 Metern Höhe, mit dessen Besteigung wir unser Projekt am 27. November 2006 erfolgreich zu Ende bringen konnten.  Am 13. November begann unser Trip und unsere brandneuen Se7en Summits Ski und Stecken begleiteten uns auf dieser letzten Expedition. Unser Weg führte uns von Schweden aus auf nach Chile und von dort 3500 km mit dem Auto nach Süden. Nach einigen Umwegen und technischen Problemen sind wir nach 4 Tagen endlich in Punta Arenas, an der Südspitze Südamerikas, angekommen. Von dort ging es mit einer russischen Transport-Militärmaschine, einer Ilyushin IL-76, nach Patriot Hills in die Antarktis und dann weiter mit einer kleineren Twin Otter Propellermaschine, die uns bis um Fuße der Ellisworth Gebirgskette brachte. Ohne lange zu pausieren, setzten wir unseren Weg Richtung Gipfel fort. Wir hatten uns vorgenommen, nicht lange zu pausieren, was nicht ohne Spuren an uns vorüber ging. Wir legten den Weg vom Basecamp zum Gipfel in 26 Stunden zurück, wir haben es also tatsächlich geschafft! Die Fahrt nach unten war einfach fantastisch. Vom Gipfel zum Höhencamp benötigten wir zwei Stunden. Nach einer durch Eisregen erzwungenen Pause ging es weiter bis zum Basecamp. Unser neuer Ski hat uns nicht enttäuscht, er war schnell, leicht und absolut stabil.  Diese Expedition war vor allem wegen des Klimas eine große Herausforderung für uns. Die Besteigung des Mt. Vinson ist nur während der wenigen antarktischen Sommermonate möglich, dann wenn die Temperaturen endlich wieder auf immerhin -40 Grad Celsius steigen.

Wir haben es geschafft - Mission completed!"

Martin Letzter

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