Angelika Rainer: "Ich will die WM-Krone verteidigen"
Das Saisonziel für Eiskletter-Weltmeisterin Angelika Rainer heißt: Weltmeisterin bleiben. Ob das gelingt, wird das kommende Wochenende (5.-6.Feb. 2011) zeigen.
Frage: Mit der Eiskletter-WM in Busteni (Rumänien) steht das Saisonhighlight vor der Tür. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?Angelika Rainer: Als Titelverteidigerin peile ich natürlich den Sieg an. Es wird schwierig, denn ich habe nur eine Chance. Mein zweites Saisonziel, den Eiskletterweltcup zu gewinnen, ist nach dem schwachen Auftakt etwas in die Ferne gerückt. Umso motivierter werde ich bei der WM antreten.
Wer sind Ihre stärksten Konkurrentinnen?
Ganz stark sind die beiden Russinnen Anna Gallyamova und Maria Tolokonina. Sie waren am letzten Wochenende auch in Rabenstein in Passeier am Start, wo ich mich beim Icefight Maria Tolokonina geschlagen geben musste.
Sie sind die Titelverteidigerin. Fühlen Sie sich durch diese Tatsache eher unter Druck gesetzt oder eher motiviert?
Für mich ist das eine riesengroße Ladung Motivation. Seit meinem Titel vor zwei Jahren habe ich den Trainingsumfang ständig nach oben geschraubt um noch besser zu werden. Ich habe in den letzten Wochen sechsmal pro Woche trainiert, teilweise auch zweimal am Tag. Ich bin mir aber bewusst, dass es sehr schwierig wird, den Titel zu verteidigen. Wie die meisten Spitzenathleten bin auch ich der Auffassung, dass es einfacher ist einmal zu gewinnen, als einen Erfolg zu bestätigen.
Was macht eine Eiskletterin im Sommer?
Bei mir persönlich wird es in diesem Jahr eine Veränderung geben, weil ich im slowenischen Laibach ein Auslandssemester an der Universität absolvieren werde. Beim Klettern steige ich nach dem letzten Eiskletterwettkampf sofort aufs Sportklettern um. Die Kraft, die ich mir in den vergangenen Monaten beim Eisklettern antrainiert habe, ist super umzusetzen um ein paar schwere Projekte anzugehen.
In Slowenien gibt es ein sehr bekanntes Klettergebiet (Osp), in dem ich hoffentlich ein paar schwere Touren punkten kann. Für den Sommer habe ich heuer keine Fahrt geplant, sondern möchte in den Dolomiten ein paar schwierige Mehrseillängen-Routen angehen.
Die größte Italiens wird in wenigen Monaten in Bozen eröffnet. Wird das ein neuer "Spielplatz" für Sie?
Die Eröffnung der neuen Kletterhalle beim neuen SALEWA-Headquarter ist für die gesamte Kletterszene in Südtirol wahnsinnig wichtig. Alle können es kaum noch erwarten. Die Halle in Meran, wo ich derzeit trainiere, platzt aus allen Nähten. So wird es auch in anderen Südtiroler Ortschaften sein. Umso besser also, wenn die neue Kletterhalle ihre Tore öffnen wird.
Ist der Eindruck, dass Klettern als Sportart boomt, korrekt?
Ja, wenn man sich in der Halle umblickt und merkt, wie viele Leute klettern, dann ist das schon beeindruckend. Ich klettere jetzt seit 13 Jahren und mir kommt es vor, als würden in der letzten Zeit fast alle Leute klettern, egal ob das Bekannte von aus Arbeit, an der Uni oder in der Freizeit sind.
Was fasziniert Sie selbst am meisten am Klettern?
Am meisten fasziniert mich, dass ich mich selbst überwinden muss. Dass ich meine Angst bewältigen muss. Wenn ich über meine Grenzen hinausgehen kann, dann ist das ein tolles Gefühl. Toll finde ich auch, dass ich beim Klettern in der Natur und in den Bergen bin. Ich bin sehr mit meiner Heimat Südtirol verbunden.
Welche Tipps kannst du einem Anfänger fürs Klettern mit auf den Weg geben? (lacht)
Wichtig ist, dass man am Anfang nicht aufgibt. Dass man Angst hat, ist zu Beginn völlig normal. Wenn man aber ein wenig Biss hat, sich überwindet und dann die ersten Passagen gelingen, dann ist die Freude umso größer.
Interview: Hannes Kröss, hk|Media




