"Mich fasziniert das Abenteuer"
Florian Riegler sorgt gemeinsam mit seinem Bruder Martin seit
geraumer Zeit für eine Belebung des Abenteuerkletterns.
Florian Riegler: Eigentlich schon ganz früh, so etwa mit dreieinhalb Jahren. Meine Eltern sind sehr sportbegeistert - mein Vater war lange Vorstand eines Sportvereins - und so habe ich mit ihnen und meinem Bruder bald Klettersteige begangen und Gletschertouren gemacht. Später, mit 13, habe ich dann das Sportklettern für mich entdeckt, nachdem ich einen Kletterkurs beim Alpenverein absolviert hatte. Danach habe ich gleich an Boulder- und Sportkletterwettkämpfen teilgenommen, weil mich sofort die Leistung interessiert hat. Nur so ein wenig rumklettern hat mich nicht interessiert, dazu war ich als Kletterer viel zu fanatisch. Langsam, langsam habe ich dann mit dem alpinen Klettern begonnen. Etwa mit 18 habe ich dann aber das wettkampfmäßige Sportklettern vollkommen an den Nagel gehängt. Anschließend habe ich mich der Rotpunktbegehung schwieriger Sportkletterrouten gewidmet, ohne das alpine Klettern aus den Augen zu lassen. In den letzten Jahren habe ich mich auf Erstbegehungen und der Wiederholung schwieriger Routen konzentriert.;
Du bist auch Eiskletterer. Wann hast du damit begonnen?
Eisklettern betreibe ich bereits seit ungefähr zehn Jahren aber bei weitem nicht so intensiv, wie das Felsklettern. Vielmehr ist Eisklettern für mich ein Ausgleich zum Klettern - genauso wie Skitourengehen. In den letzten drei Jahren habe ich das Eisklettern intensiviert und auch an Wettkämpfen teilgenommen sowie Erstbegehungen gemacht.
Was gefällt dir am Eisklettern?
Zum einen ist es als Disziplin relativ neu, zumindest in der Form, wie es heute betrieben wird. Es gibt deshalb noch viele Möglichkeiten, neue Sachen zu klettern und den Schwierigkeitsgrad nach oben zu schrauben, gerade beim Mixedklettern. Eisklettern ist meiner Meinung nach sehr komplex, es ist eine sehr eigene Mischung: alpin, weil Eis, Kälte und oft mangelhafte Sicherungen im Spiel sind, spielerisch, weil die Komponente Kraft dazu kommt, die wiederum an das Sportklettern denken lässt.
Du betreibst auch Mixedklettern, bei dem Eis und Fels sich abwechseln. Mit Eisgeräten auf Fels klettern: Ist das nicht ein wenig komisch?
Es gibt ja verschiedene Disziplinen. Da ist einmal das Drytooling, Powerdry, Mixedklettern und schließlich Eisklettern. Beim Powerdry wird mit den Geräten nur auf Fels geklettert, das interessiert mich überhaupt nicht. Interessant finde ich den Wechsel zwischen Fels und Eis beim Mixedklettern, aber auch das reine Eisklettern hat seine Faszination.
Wie groß ist deiner Einschätzung nach das Risiko beim Mixedkletter? Immerhin hast du mit "Illuminati" (M11+, WI6+) in Gröden eine der schwierigsten Mixedrouten der Welt geklettert.
Naja, man muss sehr auf die Bedingungen achten und natürlich auch darauf, wie die Route abgesichert ist. In der Route "Illuminati" sind ja - zumindest auf dem Teil, der der auf Fels geklettert wird - Bohrhaken vorhanden. Natürlich, ein bestimmtes Risiko besteht immer, das liegt bei in der Natur betriebenen Sportarten wohl in der Natur der Sache, aber das Risiko ist sicher nicht größer als bei - sagen wir mal - der Begehung der Ortler Nordwand. Was fasziniert dich am alpinen Felsklettern?
Vor allem das Abenteuer. Und natürlich ist es immer wieder schön, auf einem Gipfel zu stehen. Sich überwinden müssen, vielleicht nahe am Aufgeben sein und trotzdem weitermachen, an seine Grenzen gehen, ja, das reizt mich. Erstbegehungen sind in diesem Sinne natürlich besonders abenteuerlich und mit intensiven Erlebnissen verbunden.
In welche Richtung wird sich das Klettern deiner Meinung nach in den kommenden Jahren entwickeln?
Es wird sicher noch mehr Spezialisierung geben. Das Schwierigkeitsniveau wird weiter nach oben geschoben und an Wände hoher und höchster Berge übertragen werden. Generell sehe ich die Zukunft des Kletterns in der Steigerung der Schwierigkeit bei gleichzeitigem Verzicht auf Hilfsmittel wie etwa Bohrhaken. Klettern "by fair means", wo wieder das Können des einzelnen Kletterers in den Vordergrund rückt.
Florian Riegler, 26, lebt in Bozen und macht seit Jahren mit alpinen Erstbegehungen und Wiederholungen schwierigster Routen von sich reden. Er wird von Sportler unterstützt und ist Mitglied des "Extrem Team" von Salewa.




