Foto: Sergio Quiros

Rudi Brunner siegt beim Halbmarathon in Wien

Rudi Brunner, der von Sportler unterstützt wird, konnte sich am vergangenen 18. April den Sieg auf der Halbmarathondistanz beim Wien Marathon sichern.

In einem Startfeld von mehreren Tausend Läufern und vor der Kulisse von Abertausenden von Zuschauern als erster über die Ziellinie zu laufen muss ein unbeschreibliches Gefühl sein. Rudi Brunner, gebürtiger Meraner und nun in Bozen wohnhaft, weiß seit Kurzem, wie sich das anfühlt.
Lassen wir den Sieger des Halbmarathon beim Wien Marathon selbst erzählen:

"18. April 2010, 9.00 Uhr, Start zum Halbmarathon. Ich stehe in der ersten Startreihe. Neben mir Athleten, die ich nicht kenne. Rein vom Äußeren her sehen alle top trainiert aus. Alle sind höchst konzentriert.Hinter meinen Schultern stauen sich weitere 10.999 Gleichgessinnte. Vor uns liegen etwas mehr als 21 Kilometer. Das Ziel, das ich mir für dieses Rennen gesetzt habe heißt: Top drei. Mein Plan: Die ersten 5 Kilometer in 16.10 Minuten zu absolvieren und dann schauen, wie sich das Rennen entwickelt. Mein Plan wird aber abrupt durcheinandergebracht. Ein Läufer setzt sich bereits beim Start mit einem extrem schnell gelaufenen ersten Kilometer vom Feld ab. Ich entschließe mich, die Verfolgung aufzunehmen und beschleunige ebenfalls. Nach dem zweiten Kilometer laufe ich auf meinem vor mir laufenden Konkurrenten auf. Hinter mir klafft bereits eine beträchtliche Lücke bis zum nächsten Konkurrenten. Ich beschließe meinerseits eine Tempoverschärfung, mein Gegner kann mir nur etwa 300 Meter folgen, dann gibt er sein Vorhaben, mir zu folgen, wieder auf. Nach diesem Antritt laufe ich das Rennen alleine und passiere die ersten fünf Kilometer mit einer Zeit von 15.43 Minuten. Das ist deutlich zu schnell. Meine zwei widerständigsten Gegner sind jetzt die bereits schweren Beine unter mir und der starke Gegenwind. Ich spule jetzt die Kilometer in einem 3.10 - 3.20 Minuten-Rhythmus herunter. Bei Kilometer zehn stoppt die Uhr bei 32.10 Minuten. Die begeisterten Zuschauer entlang der gesamten Strecke schreien, klatschen und treiben mich vorwärts. Ich fühle mich gut, sehr gut sogar. Bei Kilometer 16 stelle ich mich im Geiste bereits auf km 18,7 ein. Dort erwartet mich der höchste Punkt der gesamten Strecke, danach geht es bis ins Ziel immer leicht bergab. Ich schaue mich immer wieder um - kein Verfolger in Sicht, ich sehe nur die begeisterten Zuschauer entlang der Strecke. Dann, bei 18,7 Kilometer bin ich mir sicher: dieser Halbmarathon "gehört mir". Abwärts laufend verlängere ich meinen Laufschritt. Kontrolliert und bereits mit einem super Gefühl verschärfe ich nochmals das Tempo. Nur noch 500 Meter bis zum Ziel. Wieder ein kurzer Blick zurück. ich bin immer noch alleine.Die Zuschauer stehen bereits links und rechts in Dreierreihen und feuern mich an. Die letzten 400 Meter. Ich sehe den Zielbogen. Tausende Zuschauer auf den Tribünen. Ich erreiche den roten Teppich. Noch 200 Meter. Ich sehe mich live im ORF auf der enormen Bildschirmwand neben dem Ziel. Ich reiße meine Arme hoch und genieße die letzen 200 Meter. In diesem Augenblick fühle ich keine Schmerzen in den Füßen mehr, nur mehr ein unbeschreibliches Gefühl der Freude. Ich habe es geschafft. Habe den Halbmarathon in einer Zeit von 1.09.14 gewonnen. Mit erhobenen Armen laufe ich über den Zielteppich und durch das Zielband für den Sieger. Sofort werde ich von Presseleuten und Kameras in Beschlag genommen . Ich genieße diesen Rummel. Am Nachmittag trete ich müde aber glücklich die Heimreise an. Dieser Sieg wird mir sicher für immer in Erinnerung bleiben."