Die Rieglerbrothers beim "Zahnarzt" in den Dolomiten
In der Karwoche konnten die Rieglerbrothers Florian und Martin Riegler zwei alpine Toptouren in den Dolomiten für sich verbuchen.
Am 7. bzw. 11. April 2009 kletterten die beiden Brüder "Karies" am Zahnkofel (erste On Sight-Begehung) und den "Zauberlehrling" (erste Rotpunktbegehung an einem Tag) an der Cima Scotoni. Hier die Berichte von Florian Riegler:"Karies" 7c, 300 Meter, Langkofelmassiv
Mit einer Hand am Lenkrad und der anderen am Telefon kurvt mein Bruder Richtung Sellapass. Wir haben gehört, dass es eine schwere mit Normalhaken abgesicherte Route am Zahnkofel gibt und brauchen noch einige Infos von Adam Holzknecht. Er hat "Karies" 2003 zusammen mit Karl Unterkircher erschlossen und damit die derzeit wohl schwierigste traditionell abgesicherte Route des Langkofelmassivs geschaffen. Mit den Skiern geht's zum Einstieg unseres Ziels. Überhängend, brüchig und schwierig sieht die Tour aus. Noch ist es angenehm warm und wir steigen ein. Die ersten Meter sind splittrig, dann wird der Fels besser. Die Art der Kletterei ist sehr interessant und die Absicherungen kühn! Angespannt und voll konzentriert klettern wir Meter für Meter. Das intensive Training im Winter hat sich ausgezahlt und mir gelingen alle acht Seillängen on sight. Ausgelaugt stehen wir am Gipfel. Das Wetter hat sich wesentlich verschlechtert und es beginnt in großen Flocken zu schneien. Das Abseilen im Nebel über die mit wackeligen Haken ausgestatteten Standplätze wird für uns zum letzten Nervenkitzel des Tages.
"Zauberlehrling", 7c (+), 700 Meter, Cima Scotoni (Fanes)
Schon viel hatten wir von diesem wilden Exremklassiker an der Cima Scotoni gehört. Wesentlich anspruchsvoller als "Der Weg durch den Fisch" an der Marmolada sollte die Route sein; ein wahrer Edelstein in den Dolomiten und seit der Erstbegehung durch Christoph Hainz und Oswald Celva vor 19 Jahren nicht mehr rotpunkt geklettert.
11. April 2009, 4.30 Uhr. Ich bin schon seit Tagen aufgeregt und jetzt kurz vor dem Aufbruch kann ich es kaum mehr erwarten, endlich loszulegen. Wir starten mit unseren Tourenskiern zum Einstieg. Im Morgengrauen kontrollieren wir ein letztes Mal unsere Ausrüstung. Alles ist genau besprochen und das Material auf das Wesentlichste reduziert. 750 Klettermeter im 7., 8. und 9. Schwierigkeitsgrad liegen vor uns. Es ist eiskalt und unsere Kletterbewegungen ähneln denen eines verklemmten Roboters. Langsam aber sicher bewegen wir uns durch den teilweise sehr brüchigen Fels. Die Sonne ist immer noch nicht in der Wand. In der Schlüsselseillänge merke ich, wie mich langsam meine Kraft verlässt. Ich bin so gepumpt, dass sich gegen meinen Willen die Hände öffnen. Ich stürze ins Seil und zum Glück hält der Haken. Martin lässt mich hinunter zum Stand, ich ziehe das Seil ab und versuche es nach einer kurzen Pause noch einmal. Diesmal läuft es wie geschmiert und ich kann die Seillänge ohne Sturz durchsteigen.
Nach langen sieben Stunden erreichen wir das erste Band. Kurzes Entspannen und dann wieder hinein in die engen Kletterschuhe und weiter. Die folgenden zehn Seillängen sind ein echter Kampf. Schwierig, brüchig und das Finden des Weges gleicht einem Lotteriespiel. Die moralisch sehr anspruchsvolle Kletterei raubt uns die letzten Nerven. Wir erreichen nach elf Stunden das zweite Band, doch der Gipfel will einfach nicht näher kommen. Es wird dunkel und kalt und einige Passagen sind nass. Stirnlampen heraus und noch mehr Speed! Meine Konzentration lässt aber jetzt nach 15 Stunden Anspannung nach. Ich spüre nichts mehr. Weder Schmerz noch Freude. Ich klettere einfach immer weiter und weiter. Gegen 22.30 Uhr stehen wir im tiefen Schnee. Der Gipfel, endlich! Wir sind zu müde um glücklich zu sein und beginnen sofort mit dem Abstieg. Um ein Uhr nachts sind wir beim Auto. Wir kochen Spaghetti und können es nun endlich begreifen: Wir haben den Zauberlehrling rotpunkt an einem Tag geschafft!
Fotos: Manuel Stuflesser




