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Borderline - zwischen den Welten

Zwei Wände, zwei Provinzen Spaniens, insgesamt 960 Meter alpines Gelände, 9 Stunden Zeit. Und das alles im Vorstieg und onsight.

Der Plan war für Martin Riegler, der sich aus Studiengründen zur Zeit in Spanien aufhält, klar: Aragon und Katalonien werden an einer Stelle durch den Congost de Montrebei getrennt, einer malerischen Schlucht, an der beidseitig Wände von 500 Metern in die Höhe ragen. Was liegt da näher, als die geografische Grenzlinie zu überschreiten und dabei gleichzeitig die eigenen Grenzen auszuloten?

Am 7. Juli 2010 soll das Projekt mit Martins Bruder Florian und Michael Maili als Fotograf und Seilpartner realisiert werden, doch die Bedingungen sind denkbar schlecht. Aufgrund der Hitze war seit mehreren Wochen kein Kletterer mehr in der Schlucht und auch der Wasserstand des Flusses stieg ständig, was den Einstieg in die Wand problematisch macht.

Unkonventionelle Ideen sind in solchen Fällen gefragt: Also wird ein Seil über den Fluss gespannt, Wasserdepots werden angelegt und das Klettermaterial neu sortiert. Um 06:30 Uhr früh steigen Martin und Florian Riegler dann in die erste Route (Cade 550 m, 6c, Pared de Aragon) ein. Nach vier Stunden sind sie am Ausstieg. Um den Abstieg zu verkürzen, springt Martin mit seinem Base-Schirm in die Schlucht. Aufgrund des hohen Wasserpegels ist anschließend eine Wasserlandung unvermeidbar.
Nach einer kurzen Rast und neu eingekleidet geht's sofort zum Einstieg der nächsten Route (Gritos y Susurros 410 m, 6a+, Pared de Catalunya), wo Michi schon wartet. Den mittlerweile tropischen Temperaturen zum Trotz stehen die beiden nach weiteren vier Stunden am Ausstieg, den Blick zurück nach Aragon und auf eine einzigartige Leistung.

Text: Carmen Cian
Fotos: Michael Maili